Was hat das mit dir zu tun

 

Das Mädchen weint. Ihre mageren Füße bohren sich in den gefrorenen Kies. Sie sind bläulich angelaufen, an einigen Schwellen sogar schon schwarz. Du schaust schnell weg.

Du weißt, dass sie keine Zukunft hat. Du weißt, dass sie sich nach Liebe sehnt. Du weißt, dass sie Nacht für Nacht ums Überleben kämpft. Doch was hat das alles mit dir zu tun?

Eine Frau sitzt in einem weißen Zimmer. Sie starrt die verkalkte Wand an. Jeden Tag.

Sie kann nicht mehr gut sehen, doch genug, diese kalt-weiße Wand zu hassen. Sie ist durcheinander, verwirrt. Einiges hat sie vergessen. Eine einsame träne schreit nach irgendeinem vertrauten Menschen.

Du weißt, dass sie sich nach etwas Schönes wünscht. Du weißt, dass sie einsam ist. Du weißt, dass dieses ewige Weiß sie umbringen wird.

Doch was hat das mit dir zu tun.

Ein Mann beugt sich über seinen  kleinen Sohn. Er ist tot. Er hat einen aufgeblähten Bauch, seine Rippen schauen heraus und er hat viel zu schmale Handgelenke. Die Geschwister des Jungen umringen ihn, auch sie sind  dünn und ausgehungert.

 Du weißt, wie sehr der Mann seine Kinder liebt. Du weißt, dass er seinen Kindern nicht das geben kann, was sie brauchen. Du weißt, dass sein Sohn daran gestorben ist.

Weißt du auch, wie der Vater sich fühlt?

 

Hannah Hilf, 9a

 

Daniel

Ich rannte. Verschwommen hob sich das Gesicht meines Bruders im Nebel ab. Ich rannte,

konnte ihn aber nicht erreichen. Meine Beine waren wie festgezurrt,Schweiß brach aus. „Daniel!“

Mein Bruder winkte. „ Daniel, bleib da! “ Daniel zuckte hilflos mitden Schultern.

„Sprich doch endlich!“, flehte ich ihn an. Er wandte sich ab. Langsam ging er weiter.

Daniel! Was soll ich tun! Daniel! Daniel! Daniel! ...

 

Mit pochendem Herzen wachte ich auf. Ich setzte mich im Bett auf und weinte.

Daniel war nicht nur im Traum fortgegangen. Auch in der Wirklichkeit.

Tot! Dieses Wort, schneidend wie ein Messer.  Ich tappte zu Mama und Papa. Eigentlich machte ich

das längst nicht mehr, doch gerade war „Ausnahmesituation“. Meine Mutter schlief, aber mein Vater

war wach, er zog mich unter die Bettdecke. Schläfrig murmelte er: „Ich vermisse Daniel auch

schrecklich, er war so schön „verfresslich“! Ich habe nicht gewusst, dass man Schwächen eines

Menschen so lieben kann! “ -  „Verfresslich“, das war ein Ausdruck, der aus der Zeit stammte, als noch

alles gut war. Er beschrieb Daniels Schwächen exakt: Vergesslich und verfressen. Ach, wie vermisse  

ich diese Zeit!

Hannah Hilf, 6a

 

Einfach Raus!

Einfach raus
über´s Feld
weiß nicht wohin,
weiß nicht wie lang
nasses Gras
unter nacktem Fuß
angenehm kühl.

Folg einfach so
dem Schmetterling
weiß nicht wies,
weiß nicht wie lang
der Duft
von Blumen
wundersüß                                                                                                                                                                                                                                                             Duft

Hör der Amsel
beim Jubeln zu.
weiß nicht weshalb,
weiß nicht wie lang
die Sonne,
erste Strahlen
warm.


Schau dem Himmel
beim Glühen zu.
und weiß warum.
ganz plötzlich.

Hannah Hilf, 6a

 

Vor dem Sturm I

 

Im Zwielicht des Himmels

Die Weiden erzittern

Das grollende Dunkel

Schickt Windböen vor

 

Kein Vogel singt länger

Er ist längst geflohen

Die Schafe, sie kreischen

Von Panik erfasst

 

Der Flieder kratzt finster

Mit Krallen am Fenster.

Im Flieder verfangen,

Wolken von Gischt.

 

Im Wasser brüllen

 verlorene Seelen.

Die Luft schmeckt schon salzig,

Flieh, wenn es noch geht!

 

 

Vor dem Sturm II

 

Schwefliger Himmel

Die Wolken drücken

Auf meine Brust

Wer weiß,

Was kommt?

Was passiert?

 

Meine Finger sind kalt

Mein Herz pocht vor Sorge

Viel zu schnell

Wer weiß,

Was kommt?

Was passiert?

 

Komm rück zu mir

Auch du hast Angst

Wir sind für uns da.

Wir stehen uns bei.

 

Lass uns Licht machen.

Die Stimmung verwandeln.

In Decken gehüllt,

Die Sorgen

 Ausschließen.

Zusammen sein.

 

Schwefliger Himmel

Die Wolken drücken

Auf unsere Brust

Niemand weiß, was kommt,

 

Doch wir sind

Zu zweit.

Hannah Hilf

 

 

Arabisch

 

Verschlungene Muster

Gezeichnete Schrift

Sprache ist vergangen

Fremde Bilder bleiben

 

Zwei Schlangen umschlungen,

Doch die Kacheln zerbrochen

Die Schrift ist gespiegelt

Vor fremdem Gesicht

 

Unendliche Weisheit

Doch keine Tür

Das Geheimnis versiegelt

Mit uraltem Geist

Hannah Hilf