Nighthawks (Edward Hopper 1942)

 

Es ist dunkel, die Nacht ist klar und kalt. Ihre Schritte hallen auf dem Asphalt wider, seine sind kaum zu hören. Sie sind auf dem Weg zum Phillies um ihrem Partner von der Erledigung der Aufgabe zu erzählen. Ihr wird kalt, wenn sie daran denkt, dass sie es gerade eben getan hat.

Flau ist ihr im Magen, sie hat das Gefühl beobachtet zu werden, will aber ihre Angst nicht ihrem Begleiter zeigen.

Es war schwerer, als sie gedacht hatte, sie waren einmal Freundinnen gewesen, dann aber kam es zum Streit. Sie dachte es wäre nicht so schwer. Aber kurz bevor sie es tat, sah sie ihr in die Augen und erkannte all ihre Gefühle.

Sie hatte keine Wahl, sie musste es tun.

Der Knall der Pistole war laut und hallte in der Gasse wider, ihre frühere Freundin schwankte, schrie  und fiel, ihre Augen blieben offen und schauten sie weiterhin starr an.

Diesen Anblick wird sie nie wieder vergessen.

Ihr Begleiter gibt auf dem Weg zu ihrem Auftraggeber keinen Mucks von sich, denkt er dasselbe wie sie?

Ein Schatten reißt sie aus ihren Gedanken, was ist das? Sie hatte es geahnt. Werden sie jetzt schon verfolgt? Oder aber bildet sie sich alles nur ein? Ihr Begleiter hat den Schatten anscheinend nicht bemerkt.

Schon ist es zu spät, ihm davon zu erzählen, sie sind angekommen, vor der Tür des Phillies. Durch die Glasscheibe hindurch sieht sie ihn, als Koch verkleidet, ihren Auftraggeber. Aber da ist noch jemand, ein Mann, sie sieht ihn nur von hinten, trotzdem weiß sie es, er ist der Schatten.

Sie kann, sie will nicht eintreten, ihre Beine gehorchen nicht, ihr Begleiter zieht sie mit sich ins Innere.

Er scheint den anderen Mann nicht zu bemerken, sein Blick ist starr auf den Auftraggeber gerichtet.

Sie setzen sich, ihr Mund fühlt sich kalt und trocken an, sie bekommt keinen Ton heraus. Er schaut sie an, versteht, blickt dann zum Auftraggeber. Sein Mund formt vier Wörter, die dem Auftraggeber reichen.

Sie hat es getan.

Ein Lächeln breitet sich auf dem Gesicht des Auftraggebers aus, aber es erstirbt kurze Zeit darauf wieder.

Der Schatten steht auf, blickt der Frau in die Augen, mir reicht was ich gehört habe, damit habe ich den Beweis. Mehr braucht er nicht zu sagen, sie weiß, dass er es war, der sie beobachtet hatte.

Das letzte, was sie sieht, ist sein Pistolenlauf, dann ist alles schwarz.

Leonie Schmidt, 10. Klasse