Unsere Namenspatronin Ottilie Wildermuth

Ottilie Wildermuth kam 1817 in Rottenburg als Tochter eines Amtsrichters zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie in Marbach am Neckar. Nach ihrer Heirat mit Gymnasialprofessor Dr. Johann David Wildermuth (1843), Lehrer für Englisch und Französisch am heutigen Uhland-Gymnasium, lebte sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1877 in Tübingen.

Unser 1927 errichtetes Schulgebäude wurde auf Beschluss des damaligen Tübinger Gemeinderates „Wildermuthschule“ genannt.

An Ottilie Wildermuth zu erinnern, lag für die Ratsmitglieder auf der Hand, denn unsere Schule war ursprünglich eine Bildungseinrichtung für Mädchen. Erst 1970 wurden auch Jungen zum Besuch des Wildermuth-Gymnasiums zugelassen.

Obwohl Ottilie Wildermuth weder eine Schule gegründet hatte noch selbst Lehrerin war, bestanden keine Zweifel an ihren Verdiensten um die Mädchenbildung: So erteilte sie Mädchen Privatunterricht in Englisch, initiierte einen Spendenaufruf für eine Kleinkindschule in Marbach und engagierte sich ab 1875 für die Gründung einer Tübinger Frauenarbeitsschule (einer Art Berufsschule für Mädchen).

Vor allem aber war es ihre Lebensführung, die Ottilie Wildermuth als Namensgeberin empfahl: Dass sie ihre schulische Bildung nach der Konfirmation „auf eigene Faust“ fortsetzte, war für eine junge Frau der Biedermeierzeit höchst ungewöhnlich. Später gelang es ihr trotz zahlreicher Verpflichtungen als Ehefrau, Mutter, Gastgeberin und stadtbekannte Wohltäterin, in den Rang einer der meistgelesenen Schriftstellerinnen ihrer Zeit aufzusteigen.

Mit Gleichberechtigung der Geschlechter und Emanzipation im heutigen Sinne hatte das noch wenig zu tun, doch gemessen an den Bedingungen des 19. Jahrhunderts ragt Ottilie Wildermuths Selbstverwirklichung als Frau weit über das hinaus, was damals üblich war.